Informationen des Bundesverband Tattoo e.V. über die am 31.12.2020 in Kraft tretende NiSV und den damit verbundenen Arztvorbehalt vor der Laseranwendung zur Tattoo- und Permanent Make-up Entfernung

Im Dezember 2018 hat die Bundesregierung den Änderungswünschen des Bundesrates vom 19. Oktober 2018 zugestimmt, womit die NiSV am 31.12.2020 in Kraft tritt.

Wichtig ist hierbei festzuhalten, dass einige wenige hierin geregelte Geräteanwendungen – wie das unsere Branche betreffende Entfernen von Tätowierungen und/ oder Permanent Make-up – ab dem 31.12.2020 nur noch von approbierten Ärztinnen und Ärzten mit entsprechender Fort- oder Weiterbildung durchgeführt werden dürfen. Andere von der NiSV betroffene Technologien setzen Fortbildungsmaßnahmen und damit den Erwerb von Sach- und Fachkunde voraus, wie zum Beispiel die Laser-Haarentfernung, welche dann auch vom Nicht-Mediziner weiterhin durchgeführt werden darf.

Aktuell werden die Inhalte und der Rahmen dieser Fachkunde von offizieller Seite gemeinsam mit einem Gremium erstellt. Aus diesem Grunde kann es zur Zeit noch keinen seriösen Anbieter für den Erwerb der Fachkundenachweise geben. Sobald die Details feststehen, informieren wir Euch hier gerne über diese, doch sind alle Angaben ohne Gewähr. Wir aktualisieren die unten aufgeführte Chronologie mit zugehörigen Links (*leiten auf andere Websites), sollten neue Informationen und Inhalte vorliegen.

 

Detailinformationen:

Im Zuge der Erneuerung des bundesrechtlichen NiSG (Gesetz zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen) aus dem Jahre 2009, hat das zuständige Fachreferat des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) seit 2017 gemeinsam mit Fachgremien eine Verordnung (VO) formuliert, an der neben der Strahlenschutzkommission (SSK) und Interessenvertretern aus der Branche auch das BMU-Rechtsreferat beteiligt war.

Die mitbetroffene Tattoo-Branche hat nur durch einen Zufall über Google-Alerts davon erfahren und sich als BVT zu einem Verbände-Vorsprechen zum Entwurfstext im Juli 2018 mehr oder minder selbst eingeladen.

Was soll mit dieser Verordnung (VO) genau geregelt werden?

Bisweilen fehlt es den gewerblichen, nicht-medizinischen Laseranwendern und ihrer Branche an verbindlichen gesetzlichen Richtlinien für einen ordnungsgemäßen Betrieb von Geräten mit nichtionisierenden Strahlenquellen. Hierzu zählen in der VO neben Lasersystemen und IPL-Geräten auch Ultraschallgeräte, Hochfrequenzgeräte, Niederfrequenzgeräte und Gleichstromgeräte, die zu kosmetischen Zwecken angewendet werden.

https://www.bmu.de/themen/atomenergie-strahlenschutz/strahlenschutz/warum-die-nisv/

Aus welchem Grund gibt es die VO?

Die Verordnung dient dem Schutz der Gesundheit der behandelten Kunden und Dritter – Verbraucherschutz. Mit ihr sollen Sach- und Fachkundequalifikationen für eine ordnungsgemäße, gewerbliche, ästhetisch-kosmetische Geräteanwendung in Deutschland in Kraft treten.

Wie bewertet der BVT die Verordnung?

Grundsätzlich ist der BVT als Dachverband des deutschen Tätowierergewerbes absolut für eine gesetzeskonforme Regulierung der Laserbehandlung und begrüßt die Initiative des Bundesministeriums.

Dass die Tattoo-Branche gerade aus ihrem Spezialgebiet des Pigmenteintrags in die Haut herausgehalten wurde, ist ein absolutes Unding. Das merkte man nicht nur an der mangelnden Kommunikation zwischen BMU und BVT, sondern vor allen Dingen daran, dass man der Behandlung von Tätowierungen mittels Laser anfangs sogar einen Facharzt-Vorbehalt vorstellen wollte. Im Rahmen des Gesetzgebungsprozesses ist es mit uns allerdings gelungen, den Facharzt- in einen Arztvorbehalt aufzuweichen und eine bis hierin recht kurzfristige geplante Übergangsfrist von nur 3 Monaten nach Inkrafttreten der VO auf 2 Jahre auszudehnen.

Was passiert jetzt im Zeitraum der Übergangsfrist?

Aktuell arbeitet der BVT innerhalb einer Arbeitsgemeinschaft von rd. 10 weiteren deutschen Verbänden mit am Entwurf einer Fachkunderichtlinie die neben den Schulungsinhalten auch diejenigen Stellen definiert, die für die Aus- und Weiterbildungen akkreditiert werden sollen.

Allerdings muss man auch hierbei erwähnen, dass der BVT selbst vom eigentlichen Treffen der beteiligten Fachkräfte-Verbände beim BMU ausgeladen wurde, mit der Begründung, es ginge nicht um Tätowierungen. Durch den Zusammenschluss mit hieran direkt beteiligten Verbänden, wie z.B. dem federführenden DEGEUK e.V. ist es uns aber möglich mit zu agieren.

 

Chronologie der Ereignisse zum Strahlenschutz in Deutschland

2009 – Gesetz zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung am Menschen (NiSG)

01/2009 – Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft veröffentlicht einen Beitrag: „EU-Parlamente verbieten Laserbehandlungen durch Nichtmediziner

04/2010 – Gründung der NiSG-Arbeitsgruppe der Hersteller, Inverkehrbringer und Betreiber.

11/2010 – Anhörung NiSG-Arbeitsgruppe beim BMU

2011 – Schutzverordnung (UVSV) für Solarien

2012 – Strahlenschutzkommission (SSK) Gutachten über Ultraschall

12/2012 – Teilnahme beim ICNIRP Expertentreffen beim BMU in Bonn

02/2014 – Besprechung mit der NiSG-Arbeitsgruppe über SSK Gutachten Ultraschall

2016 – Gefährdungspotenzial bei der Anwendung von Lasern und anderen optischen Strahlungsquellen an der menschlichen Haut

05/2018 – Referentenentwurf einer Verordnung zur weiteren Modernisierung des Strahlenschutzrechts

07/2018 – Verbändeanhörung beim Bundesministerium für Umwelt Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) in Bonn

07/2018 – Ressortforschungsbericht zum Strahlenschutz (Nebenwirkungen bei der Anwendung optischer Strahlung in der Kosmetik (vom BfS in Auftrag gegeben)

09/2018 – Stellungnahme des BVT gemeinsam mit der DEGEUK zum NiSV-Entwurf an das BMU

09/2018 – BVT & DEGEUK-Anschreiben an den Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier

09/2018 – NiSV geht an den Bundesrat zur Abstimmung

09/2018 – BVT-Treffen mit CDU/CSU-Abgeordneten (Wirtschaftsressort) im AGH Berlin

09/2018 – Start einer Petition Neue Verordnung (NiSV) – Einschränkung der Berufsfreiheit und Verbraucherentscheidung

09/2018 – BVT –Anschreiben NiSV an das AGH Berlin DIE GRÜNEN

09/2019 –  BVT & DEGEUK-Anschreiben an den Bundesratspräsidenten M. Müller (SPD) Berlin

10/2018 – Bundesrat stimmt der Modernisierung des Strahlenschutzrechts zu

DEGEUK e.V.: Nicht gehaltene Reden im Bundesrat

10/2018 – Rundbrief an die BVDD-Mitglieder zur erfolgreichen Gesetzes-Novellierung

10/2018 – Schreiben von BVT & DEGEUK an die Bundeskanzlerin

11/2018 – Dermatologen-Verbände begrüßen die Modernisierung des Strahlenschutzrechts (Laser – Haut gehört in die Hand von Dermatologen)

12/2018 – Verordnungstext wird im Bundesgesetzblatt veröffentlicht

01/2019 – Zusammenschluss der „Handelnden Verbände (HV)“

01/2019 – Sitzung der Handelnden Verbände in Frankfurt

03/2019 – Schweiz (NiSSG) Tattooentfernung auch für Nicht-Mediziner weiterhin möglich

05/2019 – Neues Tattooentfernungsgesetz in Dänemark. Auch Nicht-Mediziner dürfen lasern.

05/2019 – BMU Einladung „NiSV Fachkunde Entwurf Rahmenlehrpläne“

Ausladung des BVT, da „vorrangig Fachkreise teilnehmen, die Beiträge zur Erarbeitung dieser konkreteren Fachkunde-Module leisten möchten.“

05/2019 – Der BVT richtet gemeinsam mit den Handelnden Verbänden Fragen zu Rahmenlehrplänen an das BMU

06/2018 – BVT erhält den Richtlinienentwurf für die Fachkundevermittlung vom BMU und kann schriftlich Stellung nehmen.

09/2019 – Treffen der Handelnden Verbände in Frankfurt zum Thema Richtlinienentwurf, Kommentare und Stellungnahmen ans BMU

09/2019 – Abgabe Kommentare zum Richtlinienentwurf und den geänderten Rahmenlehrplänen durch die Handelnden Verbände.

09/2019 – Treffen mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Bern/ Schweiz, zusammen mit dem VST e.V. und der Trägerschaft rund um das Thema NiSSG.

11/2019 – Start einer Online-Umfrage zur Kundenzufriedenheit bei der Laser-Tattooentfernung

 

Habt Ihr Fragen zur NiSV, dann sendet uns gerne eine Email!